Skitourenjacken
Wer das erste Mal auf Touren geht, wird am Berg schnell merken, dass eine Standard-Skijacke hier nicht die richtige Antwort ist. Während letztere dich mit Isolation überhitzt und beim Aufstieg durchnässen lässt, meistern Tourenskijacken den Spagat perfekt: extreme Atmungsaktivität beim Hochbrennen, zuverlässiger Wetterschutz bei der Abfahrt und minimales Gewicht den ganzen Tag. Hier erfährst du, welcher Jackentyp zu deinem Stil passt, was Membranwerte in der Praxis wirklich bedeuten und welche Features auf Tour zählen.
Beliebte Tourenjacken-Typen & ihre Einsatzbereiche

- Kompromissloser Wetterschutz
- Robust & langlebig
- Etwas schwerer
- Weniger Stretch im Aufstieg

- Maximale Atmung & Bewegungsfreiheit
- Ultraleicht
- Nur wasserabweisend
- Bei Regen & Nassschnee ungeeignet

- Beste Balance aus Schutz, Atmung & Wärme
- Universell einsetzbar
- Weniger wasserdicht als Hardshell
- Etwas schwerer/packgrößer
Welcher Typ die richtige Wahl ist, hängt davon ab, wo und wie du unterwegs bist: Wer bei jedem Wetter aufbricht, braucht die Sicherheit einer Hardshell. Wer vor allem an stabilen Hochdrucktagen aufsteigt, wird die Softshell durch ihre Bewegungsfreiheit lieben. Und wer eine einzige Jacke für möglichst viele Bedingungen sucht, ist mit dem Hybrid-Modell am vielseitigsten aufgestellt.
Darauf solltest du bei Tourenskijacken wirklich achten
Warum eine Pistenskijacke auf Tour versagt

Auf Tour fehlen diese Pausen. Der Aufstieg bedeutet stundenlange, kontinuierliche Belastung – bei moderater Intensität produziert der Körper dabei 300 bis 500 Gramm Schweiß pro Stunde. Eine isolierte Jacke kann diese Menge nicht schnell genug ableiten. Der Schweiß staut sich, durchfeuchtet das Material und spätestens am Gipfel kühlst du somit schlagartig aus.
Tourenjacken verzichten deshalb bewusst auf eingebaute Isolation – die Wärme wird hier über das Schichtenprinzip reguliert: Eine feuchtigkeitsableitende erste Schicht aus Merinowolle oder Funktionsfaser direkt auf der Haut. Darüber eine austauschbare Isolationsschicht – dünner Fleece oder leichte Kunstfaserjacke, die du je nach Temperatur an- oder ausziehst.

Im Aufstieg trägst du oft nur Baselayer und Jacke. Wird es kälter, kommt der Midlayer dazu. Für die Gipfelpause ist es empfehlenswert, immernoch eine Daunenjacke griffbereit im Rucksack zu haben, welche es speziell für Touren in extrem leichter und komprimierbarer Ausführung gibt, um wertvolles Gewicht zu sparen.
Auch Tourenjacken selbst wiegen nur 240 bis 400 Gramm, weniger als die Hälfte einer isolierten Pistenskijacke (600-800 g) und lassen sich auf Faustgröße zusammenfalten und im Rucksack verstauen, wenn du sie beim Aufstieg gerade nicht brauchst. Großflächige Stretch-Einsätze und vorgeformte Ärmel folgen deiner natürlichen Aufstiegsbewegung, was bei hunderten Spitzkehren pro Tour und beim Stockeinsatz einen spürbaren Komfortgewinn gegenüber einer eher steifen Standardjacke bietet.
Membranen: Was die Werte wirklich bedeuten
Die Membran ist das technische Herzstück jeder Tourenjacke. Ihre Aufgabe: Schweiß von innen nach außen transportieren und gleichzeitig Regen und Schnee von außen blockieren. Bei Tourenjacken verschiebt sich die Priorität dabei klar in Richtung Atmungsaktivität – denn der größte Feind auf Tour ist nicht der Niederschlag von außen, sondern die Feuchtigkeit, die du mit deinem Schweiß selbst produzierst.
Die Atmungsaktivität der Jacke wird in g/m²/24h gemessen und gibt an, wie viel Dampf die Membran in 24 Stunden durchlässt. Für Skitouren sind mindestens 15.000 g/m²/24h empfehlenswert. Zur Einordnung: Bei moderater Anstrengung entstehen 300 bis 500 Gramm Schweiß pro Stunde unter der Jacke. Eine Membran mit 15.000 g/m²/24h transportiert rechnerisch etwa 625 Gramm pro Stunde nach außen – genug Reserve, um auch bei intensiven Passagen trocken zu bleiben.

Bei Softshells ist die Wasserdichtigkeit konstruktionsbedingt geringer – hier steht die Atmung klar im Vordergrund. Hochwertige Tourenjacken haben außerdem alle kritischen Nähte mit speziellem Nahtband versiegelt (getapt), damit auch dort kein Wasser eindringt.
Die Gore-Tex Active®-Membran wurde speziell für Hochleistungsaktivitäten wie Skitouren entwickelt: Sie ist die leichteste und atmungsaktivste im Gore-Tex-Sortiment. Als 3-Lagen-Laminat mit einem dünnen, textilen Innenfutter bietet sie maximale Dampfdurchlässigkeit bei minimalem Gewicht, was sie für Tourengeher, die regelmäßig lange und intensive Aufstiege machen, zur zuverlässigen Wahl machen.
Wer dagegen maximale Dehnbarkeit braucht – etwa für technische Touren mit engen Spitzkehren oder kombinierten Kletter-Ski-Passagen – greift zu Dermizax®. Diese Membran ist von Natur aus elastisch und bewegt sich bei jeder Bewegung mit, ohne an Wetterschutz einzubüßen.
Unabhängig von der Membran entscheidet die DWR-Imprägnierung (Durable Water Repellent) darüber, ob Wasser an der Jackenoberfläche abperlt, bevor es überhaupt zur Membran vordringt. Auf Tour wird diese Beschichtung stärker beansprucht als auf der Piste: Rucksackgurte scheuern an den Schultern, Felskontakt raut die Oberfläche auf, Schweiß greift von innen an. Eine regelmäßige Auffrischung der DWR ist deshalb auf Tour besonders wichtig.
Ausstattung, die auf Tour den Unterschied macht
Auf der Piste bist du umgeben von Infrastruktur: Liftpersonal, Pistenrettung, alle paar hundert Meter eine Hütte. Auf Skitour hingegen bist du auf dich selbst angewiesen – oft stundenlang in ungesichertem Gelände, weit entfernt von organisierter Hilfe. Deine Ausrüstung muss entsprechend durchdacht sein.
Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen (Pit-Zips) sind auf Tour kein Komfort-Extra, sondern unverzichtbar. Sie leiten überschüssige Wärme gezielt ab, ohne dass die Jacke ausgezogen werden muss – denn bei Wind auf diesen Höhenmetern willst du deine Schutzschicht nicht ablegen.
Die Kapuze muss auf Tour gleich doppelt funktionieren: Sie muss über einen Skitourenhelm passen – der in der Regel leichter und kompakter gebaut ist als ein Pistenhelm und oft eher einem Kletterhelm ähnelt – aber auch ohne Helm eng genug anliegen, um bei Sturmböen nicht zu flattern. Ein versteifter Schirm hält Schneetreiben vom Gesicht fern. Achte auf Einhand-Verstellung, damit du bei eisigem Wind nicht mit dicken Handschuhen an mehreren Kordelzügen gleichzeitig hantieren musst.
Ein hoher, weich gefütterter Kragen mit Kinnschutz gehört zu den Details, die zunächst wenig auffallen, auf Tour aber den Unterschied machen. Er schützt das Gesicht bis über die Nase vor schneidendem Wind und verhindert, dass der Reißverschluss am Kinn scheuert.

Im freien Gelände, wo keine Pistenrettung patrouilliert und ein Rettungseinsatz deutlich länger dauern kann, bietet diese zusätzliche Ortungsmöglichkeit eine unerlässliche Sicherheitsreserve – besonders wenn ein verletzter Tourengeher sein LVS nicht mehr selbst aktivieren kann. Wichtig: RECCO ersetzt kein LVS-Gerät, LVS, Sonde und Schaufel bleiben auf jeder Tour Pflichtausrüstung.
Die meisten Tourenjacken verzichten bewusst auf einen Schneefang. Das spart Gewicht und vermeidet eine zusätzliche Wärmeschicht, die beim Aufstieg stört. Stattdessen übernimmt der verstellbare Saum zusammen mit einer gut sitzenden Tourenhose den Schneeschutz. Wer häufig im Tiefschnee unterwegs ist, findet bei einigen Modellen eine abnehmbare Variante – erfahrungsgemäß ein sinnvoller Kompromiss aus Schutz und Gewichtsersparnis.
Ein oft übersehenes Detail ist zudem die Taschenplatzierung. Auf Tour sollltest du deinen Rucksack immer mit Hüftgurt tragen – Taschen unterhalb der Gürtellinie sind damit praktisch unerreichbar. Gute Tourenjacken platzieren ihre Außentaschen deshalb bewusst oberhalb des Hüftgurts oder an der Brust, damit Handy, Proteinriegel und Sonnencreme auch mit geschlossenem Rucksack jederzeit griffbereit bleiben.
- Belüftungszips unter den Armen mit Einhand-Bedienung
- Helmkompatible Kapuze mit versteiftem Schirm und Einhand-Verstellung
- Hoher Kragen mit weichem Kinnschutz
- LVS-taugliche Brusttasche mit Kabelausgang
- RECCO-Reflektor (bei vielen Premium-Modellen bereits integriert)
- Taschen oberhalb der Hüftgurt-Linie mit wasserdichten Reißverschlüssen
- Verschweißte Nähte bei Hardshell-Modellen
Passform & Größenwahl
Eine Tourenjacke sitzt deutlich körperbetonter als eine Pistenskijacke, denn weniger Stoff bedeutet weniger Gewicht sowie weniger Flattern im Wind. Trotzdem muss ausreichend Platz für deinen Baselayer und eine dünne Midlayer-Schicht darunter bleiben. Probiere die Jacke deshalb immer mit deinem Layering-Outfit an, nicht nur mit T-Shirt. Arme heben, Spitzkehren-Bewegungen machen, nach vorne beugen – die Jacke darf dabei nicht hochrutschen oder an den Schultern einengen.
Achte besonders auf einen verlängerten Rücken: Er schützt deine Nieren, wenn du dich beim Auffellen nach vorne beugst, und verhindert, dass beim Spitzkehren-Drehen kalte Luft unter die Jacke zieht. Die Ärmel sollten bei ausgestreckten Armen und in der Stockbewegung die Handgelenke vollständig bedecken. Elastische Bündchen schließen dicht ab, ohne die Blutzirkulation einzuschränken und Daumenschlaufen verhindern, dass zwischen Handschuh und Ärmel eine Lücke entsteht.
Pflege
Tourenjacken werden intensiver beansprucht als Pistenskijacken – schwitzige Aufstiege, scheuernde Rucksackgurte und intensive UV-Strahlung setzen dem Material stärker zu. Wasche deine Jacke deshalb bei Bedarf schonend bei 30 °C mit Funktionswaschmittel (kein Weichspüler!) und frische die DWR-Imprägnierung nach jeder dritten bis fünften Wäsche auf – per Spray oder Einwaschprodukt. Kleine Risse durch Fels oder Eis lassen sich mit Reparatur-Patches schnell selbst beheben und bei richtiger Pflege hält eine hochwertige Tourenjacke problemlos über viele Saisonen.
- Tourenjacken sind bewusst nicht isoliert – die Wärme steuerst du über austauschbare Schichten (Baselayer, Midlayer, Jacke).
- Hardshell für wechselhaftes Wetter, Softshell für stabile Verhältnisse, Hybrid als vielseitiger Allrounder.
- Pflicht-Features: Belüftungszips, LVS-taugliche Brusttasche, helmkompatible Kapuze mit Einhand-Verstellung, RECCO-Reflektor.
- Membranen: Gore-Tex Active® für maximale Atmung, Dermizax® für maximale Dehnbarkeit – Wassersäule ab 20.000 mm.
- Gewicht: 240–400 g.
- Körperbetonte Passform mit verlängertem Rücken – immer mit dem eigenen Touren-Layering anprobieren.
Die richtige Tourenjacke hält dich trocken im Aufstieg, geschützt am Grat, frei in jeder Bewegung. Wer Jackentyp, Features und Passform auf seinen Tourstil abstimmt, investiert in unzählige Gipfelmomente – bei jedem Wetter.